Die Polnisch-katholische Kirche als Mitglied der Utrechter Union:

Entstehung, Geschichte, Rechtslage

 

Wiktor Wysoczañski

 

3. Die Polnisch-katholische Kirche in Polen

 

3.2. Der Aufbau der Kirche und ihre Rechtslage in der Nachkriegszeit

 

 

   Nach offiziellen Angaben (86) zählte die PNKK in Polen in der Kriegszeit angeblich mehr als 100 000 Mitglieder, aufgeteilt in 52 Pfarreien und 12 Filialgemeinden, in denen 52 Seelsorger dienten. Freilich ist diese Zahl schwer zu überprüfen. Die Kirche befand sich in den Jahren des Zweiten Weltkrieges und der Besetzung Polens durch die Deutschen in einer äusserst schwierigen Situation. Sie erlitt enorme materielle und persönliche Verluste. In einem Teil der Gemeinden hörte praktisch jegliche Aktivität auf. Das war eine Folge der Zerstörung von Kirchengebäuden durch die deutschen Truppen und Besatzungsbehörden wie auch der Deportation eines Teils der Geistlichen in die Nazi-Konzentrationslager. Wie viele Mitglieder der Kirche ein Opfer der Besetzung wurden, ist kaum festzustellen. Nach offiziellen Angaben hat die PNKK 28% ihrer Pfarrer verloren (87).

   Das Besatzungsregime hat die PNKK, ebenso wie andere Konfessionen, die gesetzlich in der 2. Polnischen Republik nicht anerkannt waren, zunächst aufgelöst und verboten (88). Die Existenz der Kirche wurde letztendlich dennoch gerettet, und zwar dank der Verbindung mit der Utrechter Union und den persönlichen Beziehungen Bischof Padewskis mit dem altkatholischen Bischof in Bonn, Erwin Kreuzer (1877-1953). Die Aktivitäten der Kirche wurde zugelassen aufgrund einer Verordnung des Generalgouverneurs Hans Frank vom 22. April 1941, welche die Kirche unter dem Namen «Altkatholische Kirche der Utrechter Union im Generalgouvernement» anerkannte (89).

   Ein schwerer Schlag für die Kirche war dann die Festnahme Bischof Padewskis Anfang September 1942, der zunächst im Gefängnis Montelupich in Krakau inhaftiert und später nach Tittmoning (Oberbayern) gebracht wurde, wo er nach 18 Monaten Haft dank des Schweizerischen Roten Kreuzes im Rahmen eines Austauschprogramms von Kriegsgefangenen freigelassen wurde. Ende März 1944 kehrte er in die Vereinigten Staaten zurück.

   Nach Kriegsende tagte vom 26. bis 27. Juni 1945 ein gesamtpolnischer Kongress des Klerus (unter der Leitung des nach Lebens- und Dienstjahren ältesten Geistlichen, Józef Kwolek (1894-1969). Es wurde ein neuer Kirchenrat mit Sitz in Warschau gewählt, dessen Zusammensetzung der entsprechenden Hauptabteilung für Kultusangelegenheiten im Ministerium der Öffentlichen Verwaltung (Departament Wyznaniowy Ministerstwa Administracji Publicznej) zur Kenntnis gebracht wurde. Am 14. September 1945 beantragte der Rat dem Ministerium, die Kirche und ihre Verfassung gesetzlich anzuerkennen. Die Entscheidung erfolgte relativ schnell. In einem Schreiben des Ministers der Öffentlichen Verwaltung vom 1. Februar 1946 wurde festgestellt: «Aufgrund des Art. 116 der Verfassung vom 17. März 1921 wird die Polnische Nationale Katholische Kirche rechtsmässig von dem Ministerium für Öffentliche Verwaltung als eine öffentlich-rechtliche religiöse Vereinigung anerkannt.» Das Ministerium nahm auch die Zusammensetzung des Rates der PNKK zustimmend zur Kenntnis (90).

   Am 20. Februar 1946 kehrte Bischof J. Padewski ins Land zurück, was sich für Klerus und Laien belebend auswirkte. Etwa fünf Jahre später, in der Zeit des stalinistischen Terrors, wurde er verhaftet und im Untersuchungsgefängnis des Sicherheitsamtes in Warschau eingekerkert, wo er als Folge brutaler Verhöre und Misshandlungen am 10. Mai 1951 starb. Die Leitung der Kirche übernahm ein sechsköpfiges provisorisches Verwaltungskollegium (Tymczasowe Kolegium Rz¹dz¹ce), das am 22. Januar 1951 eingesetzt wurde.

   Auf der Gesamtpolnischen Tagung der Geistlichkeit vom 15. Februar 1951 in Warschau wurde die Einberufung der Synode in die Hauptstadt beschlossen; sie sollte in der ersten Junihälfte 1951 zusammenkommen. Aufgrund des ausgeübten Druckes des staatlichen Kultusamtes (Urz¹d do Spraw Wyznañ) beschloss sie die Autokephalie der Kirche in Polen, d.h. die organisatorische Trennung von der PNKK in den USA. Am 25. Mai 1951 tagte in Warschau eine Sitzung des provisorischen Verwaltungskollegiums in erweiteter personaler Zusammensetzung, das sich als offizieller Kirchenrat konstituierte. Man ernannte auch eine bischöfliche Kurie, deren ständiger Sitz Warschau sein sollte. Generalvikar wurde Ks. Julian Pêkala (1904-1972), der damalige Warschauer Gemeindepfarrer (an der Szwolezerów-Strasse 4). Am l1.September 1951 änderte der Kirchenrat den Namen der Kirche in «Polnischkatholische Kirche» (Kosció³ Polskokatolicki). Dies wurde auch vom staatlichen Kultusamt mit Schreiben vorn 29. November 1951 (Nr III 5a/17/51)  (91) zur Kenntnis genommen.

   Eine weitere Etappe der inneren Konsolidierung der Kirche brachte der 2. Gesamtpolnische Kongress der Geistlichkeit (Ogólnopolski Zjazd Duchowieñstwa), der am 24. Juli 1952 in Warschau tagte. Er verabschiedete die Rechtsordnung der Kirche, die auf den Sitzungen des Kirchenrates vom 14. September 1951 und vom 26. Juni 1952 vorberaten worden war und Vorschriften über die «kollegiale Leitung der ganzen Kirche» enthielt (92). Der Kongress wählte auch zwei Bischöfe: Ks. Julian Pêkala und Ks. Eugeniusz Kriegelewicz (1916-1990); Letzterer verzichtete 1956 auf sein Amt. Die Synode der Kirche tagte erst vom 8. bis 11. Dezember 1952 und billigte die Beschlüsse des Juli-Kongresses.

   Die Weihe der gewählten Bischöfe fand zum Abschluss der Synode am l1.Dezember 1952 in Warschau statt. Konsekratoren waren: Bischof Roman Maria Jakub Próchniewski (1872-1954), Bischof Wac³aw Maria Bart³omiej Przysiecki (1878-1961), beide aus der Altkatholischen Mariavitenkirche, sowie der Titularbischof Adam Jurgielewicz (1895-1959), der in der schismatischen Kirchengemeinschaft von Bischof Faron konsekriert wurde, später aber in die PNKK zurückkehrte.

   Im Blick auf eine geplante Aktivierung der Kirche wurde am 20. Dezember 1958 ein Generalvikar in der Person des Geistlichen Dr. Maksymilian Rode (1911-1999) ernannt. Rode war zuvor Theologieprofessor in der Römisch-katholischen Kirche und hatte zur Polnisch-katholischen Kirche konvertiert. Der bisherige Ordinarius der Kirche, Bischof J. Pêkala, verzichtete auf sein Amt. Der Kirchenrat bot daraufhin Rode diese Würde an. Die 4. Synode der Kirche vom 16. bis 17. Juni 1959 unterstützte diesen Vorschlag und wählte ihn zum Bischof-Ordinarius. Die Weihe Rodes fand am 5. Juli 1959 in der altkatholischen St.-Gertrudis-Kathedrale in Utrecht statt. Konsekratoren waren der Erste Bischof (Prime Bishop) der nordamerikanischen PNKK, Leon Grochowski, sowie der Erzbischof von Utrecht, Andreas Rinkel, und der schweizerische Bischof Urs Küry.

   Die 4. Synode bestätigte die Einheit der Polnisch-katholischen Kirche mit der PNKK in den USA und Kanada «im heiligen katholischem Glauben, gestützt auf die Heilige Schrift und die Tradition, wie auch in Anlehnung an die Entscheidungen und die Lehre der sieben Ökumenischen Konzile». Es wurde festgehalten, dass «beide Kirchen, die in Wirklichkeit eine dogmatische und liturgische Einheit bilden, eigene unabhängige Leitungen haben, die von den höchsten Gremien, d.h. den Synoden, gewählt werden» (93). Diese Einheit bei gleichzeitiger Verwaltungsunabhängigkeit bestätigten die nächsten Synoden.

   Dieselbe Synodeversammlung hat auch das Kirchenrecht der Polnisch-katholischen Kirche angenommen, das allerdings nachträglich am 3. Dezember 1959 von einer Kommission noch modifiziert wurde. In Anlehnung an bestimmte Artikel dieses Textes hat Bischof Rode mit Zustimmung des Kirchenrates und der damals notwendigen Zustimmung der Staatsbehörden eine neue administrative Gliederung der Kirche in Diözesen und Dekanate durchgeführt. Mit Dekret vom 23. März 1961 wurde die Erzdiözese Warschau (94) und die Diözese Breslau errichtet, mit Dekret vom 13. September 1961 die Diözese Krakau. Erste Generalvikare der drei genannten Diözesen waren Ks. Dr. Antoni Naumczyk (1925-1969), Ks. Józef Osmólski (1906-1966) und Ks. Edward Narbutt-Narbuttowicz (1912-1965). Zum ersten Ordinarius der Breslauer Diözese wurde auf der Sitzung des Kirchenrates vom 25. September 1963 Bischof J. Pêkala gewählt.

   In der Zeit zwischen der 4. und 5. Synode, als M. Rode Leitender Bischof der Kirche war, konnte die Kirche grosse Erfolge aufweisen, hauptsächlich auf der Ebene der Missionsarbeit und Verlagstätigkeit. Es entstanden neue Gemeinden, in denen junge Pfarrer als Seelsorger wirkten, die zuvor sowohl die Altkatholische Sektion der Christlichen Theologischen Akademie in Warschau (95) als auch das - von Rode am 23. Januar 1960 reaktivierte - Höhere Priesterseminar absolviert hatten (96).

   Auf der ausserordenlichen Sitzung des Kirchenrates vom 29. Oktober 1965 - an der auch Vertreter des Kultusamtes der Volksrepublik Polen teilnahmen - wurde Bischof M. Rode seines Amtes enthoben. Für manche Leute in der Kirche und auch in der Staatsverwaltung war er in seiner Handlungsweise «zu römisch» und/oder «zu selbständig». Er hat danach bis zu seinem Ruhestand ein Lehramt an der Christlichen Theologischen Akademie ausgeübt. Im kirchlichen Verlag veröffentlichte er 1988-89 eine zweibändige «Kleine Theologische Enzyklopädie» (Ma³a Encyklopedia Teologiczna). Die Gesamtpolnische Synode sollte ihm 1995 für das erlittene Unrecht eine späte moralische Genugtuung verschaffen.

   Die Leitung der Kirche übernahm am 29. Oktober 1965 ein neues Präsidium des Kirchenrates mit Bischof J. Pêkala als Vorsitzendem, Ks. Infu³at Tadeusz Majewski (1926-2002) als stellvertretendem Vorsitzenden und Ks. Dekan Tadeusz Gotówka als Sekretär. Die 5. Gesamtpolnische Synode der Kirche (Ogólnopolski Synod Koœcio³a), die am 5. Juli 1966 in Warschau tagte, nahm diese Änderungen einfach zur Kenntnis. Sie billigte auch ein neues Grundgesetz bzw. eine neue Verfassung der Polnisch-katholischen Kirche (Podstawowe Prawo Koœcio³a Polskokatolickiego). Die notwendige staatliche Zustimmung gab am 6. Dezember 1966 der Direktor des Kultusamtes. Auf der Synode wurden auch zwei neue Bischöfe gewählt: Majewski, der zugleich Ordinarius der Diözese Warschau wurde, und Ks. Dekan Franciszek Koc (1913-1983), der zum Ordinarius der Diözese Breslau ernannt wurde. Hauptkonsekrator der beiden gewählten Bischöfe war Prime Bishop Leon Grochowski aus Scranton PA. Koc verzichtete 1968 auf sein Amt aus gesundheitlichen Gründen, und im Dezember 1968 wurde die Leitung der Diözese Ks. Walerian Kierzkowski anvertraut, der später, am 21. Juli 1971, von der Diözesansynode in Breslau zum Bischof gewählt wurde. Die 5. Gesamtpolnische Synode, die am 15. Mai 1975 in Breslau stattfand, ernannte den Ordinarius der Warschauer Diözese, T. Majewski, zum Oberhaupt der Kirche, und der Synodalrat (Rada Synodalna) verlieh ihm am 12. Dezember 1986 den Titel des Ersten Bischofs der Polnisch-katholischen Kirche (Pierwszy Biskup Kosciola Polskokatolickiego) - dies in Analogie zum Prime Bishop der PNKK. Majewski übte sein Amt bis 1994 aus. Auf der Sitzung der Gesamtpolnischen Synode, die vom 27. bis 29. April 1987 in Warschau-Jab³onna tagte, wurde Weihbischof Dr. Wiktor Wysoczañski (geb. 1939) zum Koadjutor der Diözese Warschau mit Nachfolgerecht gewählt (97).

   In der Kirche wartete man seit Jahren auf Änderungen. Die Gesamtpolnische Synode, die am 27. Juni 1995 in Warschau-Konstancin tagte, setzte eine den veränderten Gesellschaftsstrukturen entsprechende Reorganisierung des kirchlichen Lebens und Rechtes in Gang. Man verzichtete auf den Titel Erster Bischof. Zum Leiter der Polnisch-katholischen Kirche in der Republik Polen (Zwierzchnik Koœcio³a Polskokatolickiego w RP) wurde einzig Bischof Professor Dr. habil. Wiktor Wysoczañski vorgeschlagen, der auch gewählt wurde. Er bekleidete dieses Amt praktisch schon seit Ende Dezember 1994, was mit dem Auslaufen der siebenjährigen Amtsperiode der bisherigen Kirchenleitung und dem damit verbundenen Verlust ihres Mandats verknüpft war. Für solche Fälle sah das Grundgesetz der Kirche die Übernahme der Kirchenleitung durch den Koadjutor der Diözese Warschau vor. Dass dieser Fall eingetreten war, wurde von den Regierungsstellen des Landes und den Bischöfen der Polnisch-katholischen Kirche festgestellt. Die Synode beschloss zugleich, dass Wysoczañski Ende Dezember 1996 das Amt des Ordinarius der Warschauer Diözese übernehmen sollte.

   Im Zug der oben erwähnten öffentlich-rechtlichen Anerkennung der Kirche hatte der Minister der Öffentlichen Verwaltung in seiner Entscheidung vom 1. Februar 1946 in Aussicht gestellt, dass die gegenseitigen Beziehungen zwischen der Polnischen Nationalen Katholischen Kirche (bzw. seit 1951 der Polnisch-katholischen Kirche) und dem Staat gemäss polnischer Tradition in einem separatem Gesetz zu regeln seien. Doch hatte die Regierung das Projekt eines entsprechenden Dekrets, das 1947 ausgearbeitet wurde, 1948 zurückgezogen, wie aus einem vertraulichen Schreiben von Jaros³aw Demiañczuk (später Demiañczuk-Jurkiewicz, 1908-1967), dem Hauptabteilungsleiter für Kultusangelegenheiten im Ministerium der Öffentlichen Verwaltung, hervorgeht, das er am 4. Juni 1948 an das Legislationsbüro des Präsidiums des Ministerrates richtete (98). Das geschah zu Beginn der stalinistischen Epoche (l948/49 bis 1953/56).

   Die Arbeiten an einen Gesetzentwurf über die Beziehungen zwischen Staat und Polnisch-katholischer Kirche in der Republik Polen wurden am 27. November 1989 erneut aufgenommen. Der von einer gemeinsamen staatlich-kirchlichen Arbeitsgruppe vorbereitete Entwurf sollte im Frühling 1990 vorliegen, aber die Staatsverwaltung unterbrach den Prozess mit dem Argument, es müsse zuerst die neue Staatsverfassung verabschiedet werden. Auf diese musste man aber noch bis 1997 warten. Der von der Arbeitsgruppe vorbereitete Text wurde später von einer Abgeordnetengruppe dem Parlament als Gesetzesvorschlag eingereicht. Als die Abgeordnete Dr. Ma³gorzata Winiarczyk-Kossakowska (Bündnis der Demokratischen Linken) im Namen der Antragsteller den Entwurf dem Sejm am 14. Oktober 1994 vorstellte, bemerkte sie u.a. Folgendes:

«Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges schwankte die Politik der damaligen Machthaber. Wegen der Konflikte mit der Römisch-katholischen Kirche versuchte man diese manchmal zu schwächen, indem man mit einem Massenzuwachs der Mitglieder der Nationalen Kirche rechnete; aber gleichzeitig herrschte in den Leitungen von Partei und Staat eine Furcht vor der amerikanischen Kirche>. Man hat Priester verhaftet und langjährige Gefängnisstrafen verhängt, in einem Fall sogar eine Todesstrafe. Der betreffende Geistliche wurde aber begnadigt und nach 1956 rehabilitiert. Der Bischof der Polnischen Nationalen Kirche, Józef Padewski, kam 1951 im Gefängnis ums Leben

   Man muss zusätzlich sagen, dass er der einzige Bischof war, der in der Stalinschen Periode auf solche Art und Weise ums Leben kam.

   Die Aufhebung des provisorischen Zustandes, der mehr als 48 Jahre dauerte, erfolgte am 30. Juni 1995: Der Sejm der Republik Polen verabschiedete das Gesetz, das die Beziehungen zwischen dem Staat und der Polnisch-katholischen Kirche in der Republik Polen regelt. Nach der Bestätigung des Gesetzes durch den Senat, die zweite Parlamentskammer, und der Unterzeichung des Gesetzes durch den Präsidenten der Republik wurde es im Gesetzesblatt (Dziennik Ustaw) Nr. 97 vom 23. August 1995, Position 482, veröffentlicht. Die Debatte im Parlament manifestierte eine breite Unterstützung für die Polnisch-katholische Kirche. Obwohl ein Gesetzesentwurf nur 15 Unterschriften von Abgeordneten bedarf, wurde der genannte Entwurf von 39 Abgeordneten unterzeichnet, und zwar von 34 vom Bündnis der Demokratischen Linken, drei von der Arbeitsunion und zwei von der Polnischen Sozialistischen Partei. Im Sejm stimmten 350 Abgeordnete für das Gesetz, drei dagegen und sieben enthielten sich der Stimme. Im Senat wurde das Gesetz einstimmig bestätigt. Da dieser Fall selten eintritt, wurde Beifall geklatscht (99). Das Gesetz wurde von einem Mann, der politisch in das gegenüber den Antragstellern entgegengesetzte Lager gehört, dem Präsidenten der Republik, Lech Wa³êsa, unterzeichnet. Zuvor musste freilich die Versammlung der Gesamtpolnischen Synode vom 27. Juni 1995 sich mit internen Streitigkeiten auseinandersetzen, in deren Verlauf behauptet wurde, die Kirche habe keine rechtmässige Leitung - was aber von der Versammlung verworfen wurde.

   Gemäss Artikel 2 des Gesetzes ist die Polnisch-katholische Kirche eine selbstständige und organisatorisch unabhängige Kirche, die von keinerlei ausländischen Kirchenvorständen oder weltlichen Verwaltungen abhängig ist. Sie bleibt in der Einheit des Glaubens und der Sitte mit der Polnischen Nationalen Katholischen Kirche in den Vereinigten Staaten von Amerika und Kanada verbunden. Sie ist Mitglied der Utrechter Union der Altkatholischen Kirchen. Sie kann Mitglied anderer einheimischer und internationaler Verbände werden, die einen ökumenischen und konfessionellen Charakter haben. Gemäss Artikel 3 wird die Kirche aufgrund eines eigenen internen Gesetzes geleitet. Ungehindert nimmt sie ihre geistliche und Jurisdiktionelle Zuständigkeit wahr und leitet ihre eigenen Angelegenheiten selbstständig. Gemäss Artikel 4 haben die Kirche, die Diözesen, die Pfarrgemeinden und das Priesterseminar Rechtspersönlichkeit.